Otto Riethmüller

 

Im Einsatz für die Jugend

„Es soll das Werk bei meinem Tode nur einen Namen unendlich preisen: Jesus Christus, der Sünder rettet und der mich Sünder gerettet hat.“ So lautete der letzte Wunsch von Otto Riethmüller (1889-1938), dem Leiter des Verbandes der evangelischen weiblichen Jugend Deutschlands und Namensgeber unseres Hauses. Wer war dieser Mann, der es verstand, in einer Zeit des kirchlichen und politischen Umbruchs die Jugend für das Evangelium zu begeistern? Wir stellen ihn vor.

 

Vielfältig begabt

1889 in Cannstadt am Neckar geboren wuchs Otto Riethmüller zusammen mit vier jüngeren Geschwistern auf. Die religiöse Erziehung durch seine Eltern und der Besuch des Konfirmandenunterrichtes prägten sein weiteres Leben. Am humanistischen Gymnasium der Stadt konnten seine vielfältigen Begabungen reifen. Er galt als guter Dichter, Musiker und Maler. Durch die kritische Theologie, die im Religionsunterricht gelehrt wurde, geriet er in Glaubenskonflikte. Trotzdem begann er 1907, in Tübingen Theologie zu studieren.

 

Zur Leitung berufen

Nach Abschluss seines Studiums wirkte Otto Riethmüller unter anderem in Stuttgart, Heilbronn, Schöntal, Cannstadt und Esslingen als Pfarrer. Er bekam gemeinsam mit Ehefrau Anne von Heider drei Kinder. 1928 wurde er dazu berufen, die Leitung des großen Zusammenschlusses der evangelischen weiblichen Jugend in Deutschland zu übernehmen.

 

Keine vorgefertigten Antworten

Otto Riethmüller sah die dringendste Aufgabe der Kirche darin, der Jugend zu helfen. So appellierte er an seine Mitarbeiter: „Wir müssen die Botschaft so sagen können, dass es die heutige Jugend hört und fassen kann ... Der junge Mensch wird nur bereit sein, mit mir hinzuhorchen, wenn er es mit einem zu tun hat, der nicht auf alles schon eine fertige Antwort hat, sondern selber ergriffen vor dem Geheimnis der Botschaft steht.“

 

Eine schwierige Zeit

Otto Riethmüllers Arbeit wurde durch das Aufkommen des Nationalsozialismus stark beeinträchtigt. Als Vertreter der christlichen Jugend in der Jugendkammer konnte auch er nicht verhindern, dass die Jugendlichen des Evangelischen Jugendwerkes 1933 in die Hitlerjugend übernommen wurden. Dennoch gelange es ihm nach 1934 in besonderer Weise, der Jugend Gottes Wort in der Bibel aufzuschließen und lieb zu machen. Im Jahr 1935 berief die Bekennende Kirche eine eigene Jugendkammer, deren Vorsitzender Otto Riethmüller wurde.

 

Symbol der Gemeindejugend

1938 verschlechterte sich Otto Riethmüllers Gesundheitszustand, sodass er seine Pflichten nur mühsam bewältigen konnte. Wiederholte Krankheiten und eine Operation schwächten ihn sehr. Kurz vor seinem 50. Geburtstag starb er im Elisabeth-Krankenhaus in Berlin. Seine Grabstätte in Bad Cannstadt ziert eine Erdkugel aus Marmor, aus der sich ein schlankes lateinisches Kreuz erhebt – ein Symbol, das Otto Riethmüller geschaffen hatte, verbunden mit dem Bibelvers „In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“ (Johannes 16,33). Die Kugel mit Kreuz steht bis heute für die Evangelische Gemeindejugend.

 

Klar ausgerichtet

Otto Riethmüllers gute Erfahrungen mit einer Jugendarbeit, die klar ausgerichtet ist auf die Bibel und die Gemeinde, wirkte auch nach 1945 weiter. So kam es 1953 zur Gründung der Arbeitsgemeinschaft Evangelische Gemeindejugend der Pfalz. Die Vereinsgründung erfolgte 1963 im Zusammenhang mit dem Bau unserer Freizeit- und Bildungsstätte in Weidenthal. Das Haus trägt bis heute Otto Riethmüllers Namen.

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